Kärnten ORF.at
MI | 11.04.2012
Postamt (Bild: APA/Roland Schlager)
POLITIK/WIRTSCHAFT
Dörfler will Konferenz zu Postamtsschließungen
Der Widerstand gegen die kolportierte Schließung von bis zu 1.000 Postämtern formiert sich. Angeblich sollen 9.000 Jobs abgebaut werden. Kärntens Landeshauptmann Gerhard Dörfler (BZÖ) fordert eine außerordentliche Landeshauptleutekonferenz.
Gerhard Dörfler (Bild: ORF) "Um endlich Klarheit zu bekommen"
Zu der Konferenz sollen Postchef Anton Wais und Post-Aufsichtsratschef Peter Michaelis eingeladen werden, "um endlich Klarheit darüber zu bekommen, was Sache ist, und um Rede und Antwort zu stehen", so Dörfler am Sonntag in einer Aussendung. Zudem werde kommende Woche eine Bürgermeisterkonferenz in Kärnten mit jenen Bürgermeistern stattfinden, deren Gemeinden laut Post-Personalvertretung von einer Ämterschließung betroffen sein sollen.
Stehen bis zu 9.000 Postler vor Kündigung?
Stimmt, was ein Strategiepapier
einer Unternehmensberatung der Post empfiehlt, dann sollen bis zum Jahr 2015 bis zu 9.000 Arbeitsplätze abgebaut und Hunderte Postämter stillgelegt werden. Das Umbaukonzept gilt als mögliche Reaktion der Post auf das Ende des Briefmonopols, das in den nächsten Jahren kommen soll.

Mittels einer "Standortkonsolidierung" könnte das Netz der Postamtsfilialen Berichten zufolge auf nur noch 300 Shops ("Zustellbasen") reduziert werden. Ebenso sollen mehr als 30 Briefverteilzentren geschlossen werden.
Post: "Kein Kommentar"
Die Post AG wollte die Zahlen in einer ersten Reaktion nicht kommentieren. Mitarbeiter, Aktionäre und Kunden müssen sich noch bis zur Aufsichtsratssitzung am Mittwoch gedulden. Dann wird klar sein, wie es mit der Post weitergeht.

In den vergangenen fünf Jahren wurde fast die Hälfte aller Postämter zugesperrt. Ausgehend von 2.300 Postämtern kam es bis zum heutigen Tag zu einer Reduktion auf 1.312.
Faymann: "Bevor 9.000 Postler gehen, muss der Vorstand gehen."
Bundesregierung: Keiner fühlt sich zuständig
In der Bundesregierung konnte man sich am Sonntag nicht darauf einigen, wer für den möglichen Kahlschlag bei der Post zuständig ist.

Aus dem Büro von Eigentümervertreter Wilhelm Molterer (ÖVP) hieß es am Sonntag auf Anfrage der APA: Hier gehe es um die Universaldienstverordnung, und dafür sei Verkehrsminister Werner Faymann (SPÖ) zuständig. SPÖ-Chef Faymann sieht wiederum den Finanzminister gefragt. Dieser hätte schon längst aktiv werden müssen. Faymann sprach sich gegen einen möglichen Abbau aus und sagte: "Bevor 9.000 Postler gehen, muss der Vorstand gehen."
"Recht auf flächendeckende Versorgung"
Von Molterer hieß es, dass die Bevölkerung ein Recht auf eine flächendeckende Versorgung habe. Die sei eben in der in Faymanns Ressort fallenden Universaldienstverordnung geregelt und sehe vor, dass die Post auch bis ins entlegenste Bergtal gebracht werden müsse.
Die ÖVP will privatisieren, die SPÖ sagt Nein
Unter der Regierung Schwarz-Orange wurde die Post AG im Frühjahr 2006 an die Börse gebracht. Derzeit gehören dem Staat noch 51 Prozent, wobei die Post und die ÖVP in der Vergangenheit immer wieder laut über eine weitere Privatisierung nachgedacht haben. Die SPÖ lehnt eine solche Maßnahme ab, das hatte Parteichef Faymann erst kürzlich wieder bekräftigt.
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