Kärnten ORF.at
MI | 11.04.2012
Gans_Stopfmast (Bild: Vier Pfoten)
Stopfmast. Bildquelle: "Vier Pfoten".
UMWELT
Achtung vor dem "gstopften Gansl"
Woher sein Martinigansl kommt, spielt für so manch einen kaum noch eine Rolle, sobald es einmal auf dem Teller liegt. Sollte es aber: Mehr als 80 Prozent des Federviehs stammen aus verbotenen ausländischen Stopfmasten.
Vegetieren, ein Leben lang
Rund 400.000 der in Österreich jährlich vor allem zu Martini und zu Weihnachten verspeisten Gänse stammen aus dem Ausland. Und immer wieder taucht das Fleisch dieser Gänse und Enten aus tierquälerischer Haltung in österreichischen Supermärkten auf. Die Tiere waren Zeit ihres Lebens nicht durch österreichische Tierschutzgesetze geschützt:

Eingepfercht auf engstem Raum ohne jeglichen Auslauf, manchmal sogar in Einzelhaltung in winzigen Drahtgitterkäfigen, müssen die Tiere dahinvegetieren und werden innerhalb kürzester Zeit auf das erwünschte Schlachtgewicht gemästet.
Gang und gäbe: Der "Pusztarupf" in Ungarn.
Bei lebendigem Leib gerupft
Manchem dieser Tiere bleibt es nicht einmal erspart, ein oder mehrmals, je nach Lebensdauer, bei lebendigem Leib gerupft zu werden. Die so begehrten weichen Daunenfedern wachsen ja immer wieder nach und so werden die Gänse für die Daunengewinnung beim so genannten Pusztarupf in Ungarn in der Zeit von Februar bis Oktober bis zu viermal gerupft. Das Land ist nach Frankreich der zweitgrößte Produzent von Stopfleber.
Brutale Akkordarbeit.
Gebrochene Beine und Flügel
Gleichzeitig werden die Tiere gemästet, um die Gänse doppelt nutzen zu können. Da es sich beim Rupfen um Akkordarbeit handelt, wird aus Zeitgründen sowohl beim Fangen als auch beim Rupfen, äußerst brutal und rücksichtslos vorgegangen. Gebrochene Beine und Flügel sind ebenso die Folge wie Haut- und Fleischwunden. Aber auch die nicht verletzten Tiere sind nach dieser schmerzhaften Prozedur schwer geschockt
Österreich: Weidegang für Gänse eine Pflicht
Doch nicht nur das Fleisch dieser geschundenen Tiere kommt in Österreich zum Verkauf, auch das Fleisch jener Gänse die zur tierquälerischen Stopflebererzeugung herangezogen wurde. In Österreich selbst ist jedoch sowohl das Stopfen der Gänse, als auch der Lebendrupf verboten, weiters ist regelmäßiger Weidegang unbedingt vorgeschrieben.
Tierschutzombudsfrau: Heimische Produkte kaufen
Die Tierschutzombudsfrau des Landes Kärnten, Marina Zuzzi-Krebitz, hält es "aus Tierschutzgründen" für "unumgänglich", sich ausschließlich für heimische Produkte zu entscheiden.

"Wenn Martiniganserl, dann bitte eines, das sein Leben auf grünen Wiesen in Freiheit verbracht hat ohne geschunden worden zu sein."

Einen Appell heimische Produkte zu nutzen richtet Kärntens Tierschutzombudsfrau Marina Zuzzi Krebitz auch an alle Händler und Gastronomen, die in diesen Tagen und zu Weihnachten Gänse - und Ganslschmaus -anbieten.
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