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TDDL 2008 |
28.06.2008 |
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Das Wettlesen in Klagenfurt ist zu Ende
Das Lesen rund um den Bachmannpreis ist zu Ende, am Samstagabend wurden die Preise vergeben. Jury und Publikum waren sich einig: Tilman Rammstedt erhielt sowohl den Bachmannpreis, als auch den Publikumspreis.
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Ulf Erdmann Ziegler, D |
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Zwiespältige Ansichten über "Pomona"
Nachdem sich die Jury am Samstagvormittag von Heike Geißlers Text sehr angetan zeigte, überzeugten am Nachmittag Tilman Rammstedt und Ulf Erdmann Ziegler.
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kaernten.ORF.at
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Ulf Erdmann Ziegler war der erste Autor, der am Samstagnachmittag auf die Bühne musste. Er hat auf Einladung von Alain Claude Sulzer in Klagenfurt aus dem Text "Pomona", einer Siedlung in der Bundesrepublik in den 60-er Jahren, vorgelesen. Die Jury teilte sich in ihrer Kritik in zwei Lager: "Ein Haus mit zwei Eingängen", konstatierte schließlich die - eher abgeneigte - Ursula März.
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Kritik an "Überanschaulichkeit" und Übertreibung
Die Jurorin hatte sich als erste zu Wort gemeldet. In dem Text werde die Zeit der "Generation Pille" sehr anschaulich erzählt - leider "überanschaulich". "Mich stört das demonstrative, er wendet sein Material so nach außen", so März.
Auch Ijoma Mangold zeigte sich weniger angetan: Er meinte, zu viel "onkelhafte Witzigkeit" an dem Werk erkennen zu können. Der Text beherrsche zwar seine Mittel sehr gut, sei aber "zu betulich" und so "seltsam gemütlich".
Burkhard Spinnen meinte, der Autor traue seiner "Nüchternheit" und Dingbezogenheit noch selbst nicht so ganz und monierte die "gelegentlich unsichere eigene Stimme".
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Sulzer ortet großes "Potenzial an Realität"
Alain Claude Sulzer war der Ansicht, der Text sei "unheimlich reich": "Mir wird ganz bunt vor Augen beim Lesen". Dies sei bislang der einzige Text über eine Stadt. Er sehe so viel "Potenzial an Realität" in diesem Text, wie in sonst keinem.
Klaus Nüchtern schloss sich dem an: "Ein sehr sympathischer Text", dessen mimetische Leistung es sei, sich einer Zeit anzunähern. Das sei "zurückgenommen-cool" und "angenehm", eine nicht mit "Kommentaren zugekleisterte" Versuchsanordnung.
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bachmannpreis.ORF.at
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Tilmann Rammstedt, D |
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Jury und Publikum großteils angetan
"Der Kaiser von China" lautete der Titel des hochkomischen Textes von Tilmann Rammstedt über einen einarmigen Großvater, der mit dem Auto nach China fährt, um zu sterben. Nicht nur das Publikum reagierte großteils begeistert.
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"Hochkomisch" trotz "ernstem Hintergrund"
"Sicher manchmal zu viel des Guten und teilweise unökonomisch", aber trotzdem "hochkomisch und super" befand Klaus Nüchtern. "Der Kaiser von China" gehe "verschwenderisch" mit seinen Pointen um, trotzdem besitze die Geschichte auch einen ernsten Hintergrund, lobte der Juror.
"Schön beim Zuhören", meinte Alain Claude Sulzer, der die Probleme dieses "glamourösen Großvaters" auf der inhaltlichen Ebene verortete.
Auch Ijoma Mangold gefiel der "brillante" Text. Lobend erwähnte er, dass dessen "dicke Textmasse" am Schluss auf die Bremse trete und Platz für Leerstellen bleibe.
Burkhard Spinnen schloss sich dem positiven Urteil am, gab aber zu bedenken, dass alle Motive und Figuren des Textes bereits bekannt wären: "Zwar blendend komponiert, ein virtuoses Potpourri, aber was hat er der Summe seiner Teile hinzuzufügen?"
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Gekonnt ausgeführte "überbordende Suada"
Daniela Strigl widersprach Spinnen: Diese irrwitzigen Figuren würden ins Surreale kippen, die "überbordende Suada" sei mit großem Können ausgeführt und besitze bei ihrem slawischen Humor etwas sehr Eigenständiges.
Andrè Vladimir Heiz meinte, hier werde "Humor als Therapie eingesetzt" und es gebe ein "ständig schwatzendes Über-Ich". Alles in allem handle es sich um einen in seiner "Musikalität hervorragend ausgeführten Text".
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bachmannpreis.ORF.at
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Anette Selg, D |
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"Muttervaterkind" führte zu Uneinigkeit
Mit Anette Selgs "Muttervaterkind" gingen die 32. Tage der deutschsprachigen Literatur auch schon fast zu Ende. Der letzte Text - Klaus Nüchtern hatte die Autorin nach Klagenfurt eingeladen - ließ die Jury eher uneins zurück.
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Zuerst Koks, dann Yoga
"Frau Selg hat eine sehr schwierige Position nach Tilmann Rammstedt - das eine war Koks, jetzt mussten wir ins Yoga gehen, was natürlich eine veränderte Rezeptionshaltung verlange", so Ijoma Mangold. Zuhause überzeugender als im Vortrag, sei der Text doch sehr genau gebaut und solide erzählt. Die Monotonie des Ehealltags sei allerdings "keine sehr spannende Frage“, befand der Juror.
Daniela Strigl ging es ähnlich. Sie fühlte sich aufgrund des Vortragstempos leicht eingeschläfert. Dennoch besitze der Text selbst einen großen Sog: "Das Urlaubsgefühl packt einen, man will mit der Dame in der Sonne sitzen".
Die Aufgabenstellung sei interessant, aber der Text "sorgt sich so sehr um diese Aufgabenstellung, dass er ihr überall die richtigen Brücken baut", meinte Jury-Vorsitzender Burkhard Spinnen.
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"Eine der wenigen abgeschlossenen Kurzgeschichten"
Alain Claude Sulzer unterstrich, dass dieser "äußerst verhaltene" Text mit seiner "schönen Atmosphäre" eine der wenigen abgeschlossenen Kurzgeschichten sei. Seine Bedenken: Die Leute sind ja gar nicht eifersüchtig.
Das Thema, die tragische Latenz des Textes, in dem "nichts ausbreche" gefiel auch Ursula März.
Latenz sei ein gutes Stichwort, weil die Handlung nach beiden Seiten kippen könne, befand Klaus Nüchtern. Ein "dezentes Drama - die ist in Ordnung", so Nüchtern abschließend.
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bachmannpreis.ORF.at
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Ausführliche Informationen:
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