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MI | 11.04.2012
Symbolfoto Medikamente (Bild: APA/Heiko Wolfraum)
gesundheit
Risiken der Multi-Medikation
Je mehr Medikamente jemand nehmen muss, desto mehr unerwünschte Nebenwirkungen treten auf. Vor allem ältere Menschen sind davon betroffen. Davor wurde bei der Sommerakademie der Österreichischen Apothekerkammer in Pörtschach gewarnt.
Wenn man fünf verschiedene Medikamente einnimmt, steigt die Wahrscheinlichkeit von Wechselwirkungen auf 50 Prozent. Bei acht Medikamenten beträgt sie 100 Prozent, sagt eine Studie.
Je älter, desto mehr Medikamente
Das Thema der diesjährigen Sommerakademie ist die Geriatrie. Mit zunehmendem Alter steigt nach einem Arztbesuch die Zahl der verordneten Medikamente. Als Folge droht ein ganzer Rattenschwanz an unerwünschten Arzneimittelneben- und wechselwirkungen.

"Während ein 60-Jähriger im Durchschnitt an sechs behandlungsbedürftigen Erkrankungen leidet, sind es bei einem 80-Jährigen bereits acht", schilderte Franz Böhmer, Ärztlicher Direktor des Wiener Sozialmedizinischen Zentrums Sophienspital. Dementsprechend nehmen Patienten über 70 durchschnittlich acht verschiedene Medikamente ein.

Böhmer illustrierte den zunehmenden Umfang der Medikamentverschreibungen noch detaillierter: Laut der Erhebung des Hauptverbandes der Österreichischen Sozialversicherungsträger aus dem Jahr 2006 kämen im Durchschnitt auf 50- bis 59-jährige Österreicher jährlich 20 Arzneimittelverschreibungen, bei den 70- bis 79-Jährigen sind es dann bereits 40.
Bis zu zehn Prozent der Aufnahmen ins Krankenhaus sind bedingt durch falsche oder vergessene Einnahme von Medikamenten.
Wahrscheinlichkeit steigt mit der Anzahl
Das Problem: "Die Wahrscheinlichkeit einer unerwünschten Arzneimittelwechselwirkung steigt exponentiell mit der Zahl der verordneten Substanzen", so Böhmer. Bei fünf Medikamenten trete laut Studien mit fünfzigprozentiger Sicherheit eine Interaktion oder Nebenwirkung ein, bei acht mit hundertprozentiger Sicherheit.

Das Risiko von Nebenwirkungen werde laut Gabriele Schrammel, Mitglied des Fortbildungsbeirates der Österreichischen Apothekerkammer, auch noch dadurch verstärkt, dass Medikamente vergessen oder falsche Dosierungen eingenommen werden.

"Vier bis zehn Prozent der Aufnahmen ins Krankenhaus sind auf unerwünschte Arzneimittelwirkungen zurückzuführen", zitiert Martina Andritsch vom SMZ-Ost Donauspital die Ergebnisse mehrerer neuer Studien, die auch ergaben, das rund zwei Drittel der unerwünschten Nebenwirkungen vermeidbar wären.
Ärzte und Apother sollen vorsichtig sein
Entsprechende Vorsicht und größtmögliches Wissen über pharmakokinetische Veränderungen was die Resorption, Verteilung, Metabolisierung und Ausscheidung von Wirkstoffen im Körper älterer Patienten anbelangt, seien daher unbedingt sowohl von Seite der Ärzte als auch der Apotheker geboten, betonte der Grazer Pharmakologe und wissenschaftliche Leiter der Sommerakademie, Eckhard Beubler.
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