Kärnten ORF.at
MI | 11.04.2012
Sturm knickt Bäume. Bild: APA / Rudolf Brandstätter
Katastrophe/Sturm
Bauern haben Angst vor fallenden Holzpreisen
Nach dem verheerenden Sturm vor mehr als einer Woche ist der Verfall der Holzpreise eine der größten Sorgen der Bauern. Strategien, wie ein solcher verhindert werden kann, wurden bei einem Holzgipfel am Montagabend gesucht.
Wichtigste Frage war die Preisentwicklung
Am Holzgipfel in der Landwirtschaftskammer haben Vertreter der Sägeindustrie, Holzhändler, Forstwirte und Vertreter des Landes teilgenommen. Die Sägeindustrie sagt, es gäbe viele Faktoren von denen es abhängen wird, wie viel die geschädigten Bauern für das am Boden liegenden Holz bekommen werden.
Holzgipfel (Bild: ORF)
Sägewerke sind derzeit nicht aufnahmefähig
Eigentlich hätten die Sägewerke vorgehabt, im ersten Quartal des Jahres mit der Produktion stark nach unten zu fahren. Das wurde damit begründet, dass die Sägewerke randvoll und nicht mehr aufnahmefähig seien.
Herbert Kulterer, Sägeindustrie (Bild: ORF) "Ich glaube, es ist für die Kärntner Forstwirtschaft jetzt besonders wichtig, dass ich sagen kann, dass wir in Kärnten - bezogen auf die Landesfläche und auf die Bevölkerungszahl - die stärkste Sägeindustrie in Österreich haben und die wird sich jetzt bewähren", sagte Herbert Kulterer von der Kärntner Sägeindustrie.
Derzeit sei es unmöglich, Garantien zu geben
"Außerdem schwächelt der wichtige Absatzmarkt Italien und es ist nicht absehbar wie sich der Holzpreis am Weltmarkt entwickeln wird", sagte dann Stefan Kulterer vom Sägewerk Hasslacher in Sachsenburg nach dem gestrigen Holzgipfel.

Jetzt einen Holzpreis von mindestens 70 Euro je Festmeter Sägerundholz zu garantieren, wie von der Landwirtschaftskammer gefordert wird, sei daher unmöglich. Er hoffe auch, sagte Kulterer, dass die große Schadmenge, die hier vor allem im Süden angefallen ist, nicht dazu führen wird, dass die Italiener die Schnittholzpreise nochmals absenken.

"Denn das würde leider dazu führen, dass wir den Preis nicht halten können. Ich möchte keine Zahlenspiele betreiben oder konkrete Zahlen nennen, aber ich bin mir sicher, dass die Kärntner Sägeindustrie einen fairen Preis für ihre Partner finden wird. " Zumindest garantieren die Sägewerke aber die Einhaltung von bestehenden Verträgen mit den Waldbauern abseits des Bruchholzes.
Holzaufbereitung (Bild: ORF)
LWK: Vor Verkauf unbedingt beraten lassen
Landwirtschaftskammerpräsident Walfried Wutscher rät den Bauern auch nach dem gestrigen Holzgipfel, dass man derzeit gar nichts verkaufen solle.
Walfried Wutscher, Landwirtschaftskammer (Bild: ORF) "Bevor man auch nur das Geringste unternimmt oder unsicher ist, sollte man sich bei Fachleuten, die allen Land- und Forstwirten zur Verfügung stehen, gut informieren." Ruhe zu bewahren sei jetzt oberstes Gebot, betonte Wutscher.

Das Land will jetzt mit der Errichtung von Nasslagern aushelfen. Dort sollte das Bruchholz zwischengelagert werden, bis die Sägewerke wieder aufnahmefähig sind und der Bauer einen ordentlichen Preis bekommt. Es stehe aber noch nicht fest, wann und wo genau diese errichtet werden.
Holzaufbereitung (Bild: ORF)
Martinz will Sonderregierungssitzung
In einer außerordentlichen Regierungssitzung in den nächsten Tagen sollten konkrete Beschlüsse fallen, kündigte Agrarlandesrat Josef Martinz (ÖVP) an, damit die Finanzierungszusagen beschlossen und abgesegnet werden können.
Josef Martinz, ÖVP (Bild: ORF) "Beschlossen werden soll auch, dass wir klar zur Unterstützung beim Nasslager-Aufbau stehen und dass wir uns natürlich auch in Richtung Existenzsicherung überlegen, langfristig entsprechende Unterstützungen für die Wiederaufforstung und die Wiederbewirtschaftung zu konzipieren."

Martinz betonte auch, dass so rasch wie möglich 200 sehr gut ausgebildete Saisonniers aus dem Ausland zur Holzaufarbeitung in Kärnten zum Einsatz kommen würden. Wie viel die Bauern nun für einen Festmeter Holz bekommen, wollen die Sägewerke in den nächsten Tagen bekannt geben.
Gaby Schaunig, SPÖ (Bild: ORF) 7,2 Mio vom Bund, Hilfe vom Sozialreferat
Der Bund stellt aus Katastrophenfondsmitteln 7,2 Millionen Euro zur Beseitigung der schweren Sturmschäden in Kärnten zur Verfügung. Das hat Finanzstaatssekretär Christoph Matznetter bei Gesprächen in Wien LHStv. Gaby Schaunig und Gemeindereferenten LR Reinhart Rohr (alle SPÖ) zugesichert.

Unter dem Motto "Wer rasch hilft, hilft doppelt" bietet Schaunig über das Sozialreferat in Kooperation mit dem Gemeindereferat allen jenen Menschen eine zusätzliche Unterstützung an, wo der Sturm an privaten Gebäuden großen Schaden angerichtet hat, der nicht oder nur teilweise durch Versicherungen gedeckt ist und dadurch eine soziale Notlage verursacht. Schaunig sicherte zu, diesen Familien auf unbürokratischem Wege so rasch wie möglich eine einmalige Hilfe zukommen lassen.
Jörg Haider, BZÖ (Bild: ORF) LH Jörg Haider zeigte sich optimistisch
Katastrophenreferent Jörg Haider (BZÖ) zeigte sich am Montagabend optimistisch: "Man sieht, wenn die Sägewirtschaft und die Holzindustrie, die hier beheimatet sind, gemeinsam mit den Bauern an einem Strang ziehen, dann funktioniert das."

Das Land habe mit den Bezirken ebenfalls gut zusammengearbeitet, so dass man momentan "schon wieder ein Licht am Ende des Tunnels" sehen würde, so Haider.
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