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MI | 11.04.2012
Streitultur - Martina Steiner (Bild: ORF)
Radiodiskussion
Streitkultur: "Rettung aus der Luft"
Die Flugrettung in Kärnten hat mit finanziellen Problemen zu kämpfen. ÖAMTC und ARA bleiben bei einem Drittel der Einsätze auf den Kosten sitzen. In der Sendung "Streitkultur" entwickelte sich eine interessante Diskussion.
Rund ein Drittel der Flugeinsätze werden den Rettern nicht vergütet. Außerdem sind die Betriebskosten stark gestiegen.
Opfer zahlen nur bei Alpinunfällen
Das Wichtigste vorweg: Patienten müssen Rettungshubschraubereinsätze nur dann bezahlen, wenn der Notfall im alpinen Gelände passiert. Auch in diesen Fällen kann man sich mit einer privaten Unfallversicherung absichern. Alle anderen Einsätze werden nicht verrechnet.
Rettungshubschraubereinsatz (Bild: ÖAMTC)
Kärnten hat drei Rettungshubschrauber
Derzeit stehen in Kärnten zwei Helikopter vom ÖAMTC und ein ARA-Hubschrauber in Zusammenarbeit mit dem Roten Kreuz im Einsatz. Beide Organisationen haben große finanzielle Schwierigkeiten, weil ihnen von der Sozialversicherung rund ein Drittel der Einsätze nicht vergütet werden.

In diesen Fällen wird die Zahlung verweigert, weil es sich entweder um Fehleinsätze gehandelt habe oder weil sie - im Nachhinein gesehen - medizinisch nicht notwendig gewesen seien.
Eckhard Wabnig, ÖAMTC Flugrettung (Bild: ORF)
Eckhard Wabnig
ÖAMTC überlegt Ausstieg aus Flugrettung
Eckhard Wabnig vom ÖAMTC forderte daher höhere Kostenersätze durch die Sozialversicherungen. Statt wie bisher 900 Euro pro Flug, müssten 2.000 Euro ersetzt werden.

"Sollte es keine entsprechende wirtschaftliche Bedeckung geben, wird man selbstverständlich einen Ausstieg aus der Flugrettung vornehmen. Wir sind mit enormen Kostensteigerungen bei Kerosin und natürlich auch bei den Ersatzteilen konfrontiert. Diese Kosten sind exorbitant gestiegen", so Wabnig.
Christian Wutti, Flugrettung (Bild: ORF)
Christian Wutti
Tarife gehören "entsprechend nachjustiert"
Christian Wutti von der ARA-Flugrettung bekräftigte diese Forderung: "Die Tarife, die jetzt gezahlt werden, sind auf einturbinige Hubschraubermodelle ausgerichtet. Das entspricht nicht mehr der gesetzlichen Grundlage, denn nach der europäischen Richtlinien müssen Hubschrauber mit zwei Turbinen versorgt werden."

Hubschrauber mit zwei Turbinen seien sowohl in der Anschaffung, als auch im Betrieb deutlich teurer. "Die Tarife, die viele Jahre alt sind, gehören daher entsprechend nachjustiert", forderte Wutti.
Max Miggitsch, GKK (Bild: ORF)
Max Miggitsch
GKK: "Zufriedenstellende Lösung überfällig"
Max Miggitsch von der Gebietskrankenkasse ist hingegen überzeugt, dass es in Österreich zu viele Rettungshubschrauber gebe, die auch nicht immer nach Bedarf eingesetzt würden. Diese Einsätze zu bezahlen sei nicht Aufgabe der Gebietskrankenkasse.

"Deutschland kommt bei zehn Mal so vielen Einwohnern mit 77 Hubschraubern aus, Österreich hat 36. Auch die Schweiz hat - obwohl es ebenfalls ein sehr gebirgiges Land ist - mit 18 Hubschraubern deutlich weniger. Wir sehen die Fehler in erster Linie im organisatorischen Bereich."

Miggitsch zeigte sich aber gesprächsbereit. Auch er meinte, dass eine für alle zufriedenstellende Lösung längst überfällig sei.
Daniel Fellner, Rotes Kreuz (Bild: ORF)
Daniel Fellner
"Bei der Alarmierung läuft alles richtig"
Das Argument, die Rettungshubschrauber würden zu oft wegen Kleinigkeiten alarmiert werden, ließ Daniel Fellner von der Leitstelle beim Roten Kreuz nicht gelten.

"Aus meiner Sicht läuft bei der Alarmierung alles richtig. Wir sind trotzdem ständig bemüht, das alles noch weiter zu verbessern. Wir bemühen uns auch, die Einsatzcodes und die dahinter stehende Ausrückordnung zu adaptieren."
Elga Stietka, Notfallärztin (Bild: ORF)
Elga Stietka
Rettung aus der Luft ist unverzichtbar
Auf der Rettung aus der Luft könne man nicht verzichten, bekräftigte auch Notärztin Elga Stietka. Die Patienten kämen besser versorgt in die Krankenhäuser und würden diese auch schneller verlassen können. Das würde "absolut für eine deutliche Kosteneinsparung" sorgen, so Stietka.

Die Flugrettungsorganisationen forderten die Politiker und die Sozialversicherungen zu Gesprächen über die Zukunft der Flugrettung an einem runden Tisch auf. Eine Lösung könne es nur auf Bundesebene geben.
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