Kärnten ORF.at
MI | 11.04.2012
Ulrichsbergfeier (Bild: ORF)
Jährliche Gedenkfeier
Demo und Wegblockaden bei Ulrichsbergfeier
Auf dem Ulrichsberg hat am Sonntagvormittag die traditionelle Gedenkfeier stattgefunden. Der Obmann der Ulrichsberg-Gemeinschaft, Peter Steinkellner, verglich den jugoslawischen Ex-Staatspräsidenten Tito neuerlich mit Adolf Hitler.
Demonstranten hatten - wie schon am Samstag am Wörthersee - Sperren errichtet, um die Teilnahme an der Veranstaltung zu verhindern.
Demonstranten errichteten Straßensperren
Am Sonntag fand auf dem Ulrichsberg bei Maria Saal das traditionelle jährliche Treffen von Kriegsteilnehmern statt. Sie gedenken der Kriegsopfer, als Motto haben sie "Nie wieder Krieg" gewählt.

Bei dem Treffen handelt es sich um eine angemeldete Veranstaltung mit Polizeischutz und Unterstützung des Bundesheeres.
Die Feier selbst verlief ruhig und ohne Zwischenfälle. Weniger ruhig verlief für die Teilnehmer allerdings die Anfahrt zur Gedenkstelle.
Ulrichsbergfeier (Bild: ORF)
Die Demonstranten wurden von der Polizei hinter die Absperrungen zurückgedrängt.
Rund 80 Demonstranten hatten seit den Morgenstunden mit Baumstämmen und Steinen Straßensperren auf den Zufahrtswegen zum Ulrichsberg errichtet. Die rund 1.000 Besucher aus 17 Nationen sollten so an der Auffahrt zur Feier gehindert werden. Die Polizei hat die großteils vermummten jugendlichen Demonstranten hinter Absperrungen zurückgedrängt.
Peter Steinkellner (Bild: ORF) "Tito war ein Menschenschlächter"
Heuer hat es allerdings schon im Vorfeld Misstöne gegeben, nachdem der Obmann der Ulrichsberg-Gemeinschaft, Peter Steinkellner, bereits in den Medien Hitler mit Tito verglichen hatte. Diese Aussage wiederholte er am Sonntag in seiner Ansprache.

Die Demonstrationen und Straßensperren haben die Redner durchwegs als undemokratisch verurteilt. Am Deutlichsten der Obmann der Ulrichsberg-Gemeinschaft, Peter Steinkellner.

"Weil wenn jemand Stalin und Tito als Vorbild nimmt, so ist er - und ich darf wiederholen, was ich bereits über die Medien gesagt habe - in einen Topf zu werfen, mit anderen Massenschlächtern der Geschichte. Egal ob Hitler, Pol Pot, Stalin oder Tito, sie sind alle die Gleichen."
Ulrichsbergfeier (Bild: ORF)
Gäste aus 17 Nationen waren zu der Feier nach kärnten gekommen.
Einladung an Slowenen zu gemeinsamer Feier
Der Präsident der Gemeinschaft, Rudolf Gallob, sagte, er sei von den Demonstranten als "Nazischwein" bezeichnet worden - und das, obwohl er bereits seit 60 Jahren ein Parteibuch der SPÖ habe. In seiner Rede betonte er, dass solche Vorfälle auch hinderlich in der Lösung der Ortstafelfrage seien.
Rudolf Gallob (Bild: ORF) Gallob forderte auch die Vertreter der slowenischen Volksgruppe auf, den 10. Oktober gemeinsam zu feiern: "Es wäre schön, wenn da auch diejenigen dabei wären, die vermeinen, etwas gegen diesen Kärntner Festtag haben zu müssen. Das ist Geschichte und nicht irgendeine Beurteilung, die man nach Gutdünken vornehmen kann!"
Gedenkstätte auf dem Ulrichsberg
Ulrichsbergfeier (Bild: ORF Kärnten/Anton Wieser)
Die Gedenkstätte war über Initiative des damaligen Klagenfurter ÖVP-Vizebürgermeisters Blasius Scheucher errichtet und im Jahre 1959 eröffnet worden. Jahrelang hatte es Debatten um das Treffen gegeben, da immer wieder Rechtsradikale und Ex-Nazis teilgenommen hatten. In den vergangenen Jahren hat es aber kaum noch Zwischenfälle gegeben.
Alle Redner bekannten sich am Sonntag einhellig zur Parole "Nie wieder Krieg!"
Die Spitzenpolitiker blieben dem Treffen fern
Im Übrigen stand die Feier im Gedenken an die Opfer der Kriege. Der Appell "Nie wieder Krieg" wurde immer wieder wiederholt. Der Bundesverbandsobmann des österreichischen Kameradschaftsbundes, Ludwig Bieringer, stellte klar: "Wir gedenken sicher nicht eines verbrecherischen Regimes, das unseliges Leid über die Menschheit gebracht hat."

Die Feier am Ulrichsberg ist mit der Kranzniederlegung am Heimkehrerkreuz zu Ende gegangen. Mit Ausnahme des Kärntner FPÖ-Obmanns Franz Schwager sind die Spitzen der Landtagsparteien dem Ulrichsberg dieses Jahr ferngeblieben oder haben sich vertreten lassen.
Ulrichsbergfeier (Bild: ORF)
Die Kranzniederlegung bildete den Abschluss der Feier.
Wolfgang Zinggl, Grüne (Bild: Die Grünen)
Der Minderheitensprecher der Grünen sprach von einem "schwer belasteten" Treffen.
Grüne kritisieren Bundesheer-Unterstützung
Der Grüne Minderheitensprecher Wolfgang Zinggl forderte am Sonntag umgehend ein Ende der Unterstützung dieser Veranstaltung durch das österreichische Bundesheer.

"Wenn ein paar Hundert Vertreter der Kriegsgeneration am Ulrichsberg unbedingt ihre Treffen abhalten wollen, dann mögen sie das tun, solange sie nicht das NS-Verbotsgesetz oder andere Bestimmungen verletzen, aber es ist nicht zu akzeptieren, dass das österreichische Bundesheer bei diesem schwer belasteten Treffen umfangreiche Unterstützungsleistungen erbringt", so Zinggl wörtlich.
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