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MI | 11.04.2012
Landesgericht Klagenfurt (Bild: ORF/Anton Wieser)
Klassengemeinschaft
26 Schüler verübten 1.787 Straftaten
Die Richter am Landesgericht Klagenfurt sagten, einen Prozess in dieser Größenordnung hätten sie noch nicht erlebt: 26 Jugendliche - alle aus ein und derselben Schulklasse - saßen auf der Anklagebank. Sie hatten insgesamt 1.787 Straftaten begangen.
Richter mussten in größten Saal ausweichen
Dicht gedrängt standen die Mädchen und Burschen am Freitag im Gang vor dem Gerichtssaal. Eltern sprachen letzte mahnende oder tröstende Worte, die Pflichtverteidiger gaben noch letzte Ratschläge.

Aus Platzgründen ließ der Richter den größten Saal des Hauses aufsperren. Dann versuchte er, über Mikrofondurchsagen Ruhe in den Gerichtssaal zu bringen, ehe die Namen der 23 Mädchen und drei Burschen verlesen wurden.
Nicht nur Einbrüche, auch Übergriffe mit dem Messer standen auf dem Programm.
Die Schüler beschuldigten sich gegenseitig
Alle sind Schüler ein und derselben Klasse des Polytechnikums in Villach. Von der einstigen Klassengemeinschaft war vor Gericht allerdings nicht mehr viel übrig: Als sich ein Mädchen nicht mehr an ihre Diebstähle erinnern wollte, entgegneten andere, sie sei "doch mehrmals mit dabei gewesen".

Richter Norbert Jenny wollte wissen, worauf sie es da abgesehen gehabt habe. "Auf Unterwäsche beim H&M", sagte die Beschuldigte. Jenny darauf: "Und die Übergriffe mit dem Messer?" Ja, auch da sei sie dabei gewesen, antwortete die knapp 17-Jährige.
Auf der Beliebtheitsskala ganz oben standen H&M, Billa und mehrere Parfümerien.
In Freistunden immer wieder auf Beutezug
Die ganze Klasse hatte sich über ein Jahr hindurch an den Beutezügen beteiligt. Immer, wenn sie Freistunden hatten, waren die Schüler ausgeschwärmt - in unterschiedlichen Formationen.

Die Geschäfte, die sie im Visier hatten, befanden sich fast immer in der Villacher Innenstadt. Auf der Beliebtheitsskala ganz oben standen H&M, Billa und mehrere Parfümerien. Hoch im Kurs waren auch CDs und DVDs. Innerhalb eines Jahres begingen die Schüler mehr als 1.700 Diebstähle, der Gesamtschaden wurde mit rund 40.000 Euro beziffert.
Die Jugendlichen wurden zu Sozialarbeit und zu bedingten Haftstrafen verurteilt.
Vier Schüler müssen erneut vor Gericht
Die meisten Jugendlichen bekannten sich am Freitag schuldig. Sie wurden zu Sozialarbeit und zu bedingten Haftstrafen im Ausmaß von zwei bis fünf Monaten verurteilt.

Vier der ehemaligen Klassenkameraden bestritten, bei den Beutezügen dabei gewesen zu sein. Sie müssen erneut vor den Richter. Die Urteile sind noch nicht rechtskräftig.
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