Kärnten ORF.at
MI | 11.04.2012
Blick auf die 160 km/h-Teststrecke (Bild: APA/Eggenberger)
BILANZ
Ein Monat "Tempo 160" auf der A10
Seit über einen Monat gilt auf der Tauernautobahn zwischen Spittal-Ost und Paternion "Tempo 160". Verkehrsminister Hubert Gorbach (BZÖ) zog Dienstag seine persönliche Halbzeitbilanz: "Ein eindrucksvoller Erfolg!"
Gorbach: "Geschwindigkeit flexibilisieren!"
Den "Tempo 160-Test" auf der A10 bezeichnete Gorbach "allen Unkenrufen zum Trotz" als "Meilenstein in der europäischen Verkehrspolitik". Er betonte im Rahmen einer Pressekonferenz in Wien, dass mit Tempo 160 "nicht die Raser gefördert, sondern die Geschwindigkeit flexibilisiert" werden soll.

"In zehn Jahren werden wir über diesen Versuch ganz anders reden", kritisierte der Politiker die aktuellen Diskussionen als "scheinheilig und oberflächlich". Das wesentlichste Ziel sei ein "möglichst störungsfreier Ablauf des Autoverkehrs durch Anpassung der Fahrgeschwindigkeit", so der Verkehrsminister.
Nur 15 Prozent fuhren mit Tempo 160
581.178 Autofahrer haben die Teststrecke in Kärnten im Mai 2006 passiert, Unfälle hat es in dieser Zeit nicht gegeben. Nur 35 Prozent der Autofahrer befuhren die 12 Kilometer mit 145 bis 155 km/h, lediglich 15 Prozent erreichten die höchstzulässige Geschwindigkeit von 160 km/h.

Rund 1.000 Überschreitungen der Höchstgeschwindigkeit wurden registriert, 70 Prozent gehen auf das Konto von Lkw, die während der Nacht Tempo 60 nicht beachtet hatten und der Section-Control ins Netz gegangen sind.
Wichtigste Begleitmaßnahme auf der Teststrecke ist das Überholverbot für Lkw - zumindest zu jener Tageszeit, in der die allgemeine Höchstgeschwindigkeit auf Autobahn in Österreich um 30 km/h überschritten werden darf. Und dies auch nur dann, wenn optimale Witterungs- und Fahrbahnbedingungen herrschen.
Gorbach: "82,9 Prozent für Tempo 160"
Gorbach gab sich überzeugt: "Je nachvollziehbarer Tempolimits sind, desto eher werden sie akzeptiert." Der Verkehrsminister verwies dabei auf eine Online-Umfrage auf http://www.tempo160.at, wo sich 82,9 Prozent von etwa 3.500 Befragten für Tempo 160 bei optimalen Bedingungen aussprachen.
Greenpeace widersprach dem Minister
Greenpeace kam hier zu völlig anderen Umfrageergebnissen. Die Umweltschützer betonten in einer Aussendung, dass sich immer mehr Österreicher - zuletzt 63 Prozent - gegen Tempo 160 aussprechen. Mit Ausnahme von Kärnten und Niederösterreich wären alle Bundesländer gegen einen Tempo-160-Versuch, so Greenpeace.
SPÖ und Grüne schlossen sich der Kritik an
Kritik an der "Tempo 160-Strecke" kam Dienstag von den Grünen und der SPÖ. Während die Sozialdemokraten der Ansicht sind, dass die Teststrecke auf der Tauernautobahn "mit zukunftsorientierter Verkehrspolitik nichts zu tun hat", meinten die Grünen: "Viel Geld, viel Risiko, viel Lärm, viel Schadstoffbelastung und null Nutzen."

Laut SPÖ Verkehrssprecher Kurt Eder sei vor allem die Frage interessant, "wie viel der Umbau dieser unnötigen Versuchsstrecke den Autofahrern gekostet hat".

Dieser "Unsinn" koste "horrende Summen" und habe "sowohl für die Bevölkerung als auch für die Umwelt ausschließlich negative Folgen", betonte die Grüne Verkehrssprecherin Gabriela Moser.
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